10.10.2023

Podiumsdiskussion zur Oberbürgermeisterwahl

Oberbürgermeister und OB-Kandidat Gunter Czisch, Co-Moderator Mathias Schöferle, OB-Kandidat Martin Ansbacher, OB-Kandidatin Lena Schwelling, OB-Kandidat Thomas Treutler und Co-Moderator Christoph Botzenhart

Überwältigende 400 Besucher kamen als Bürgerimpulse im und mit dem ROXY am 10.10.2023 eine Podiumsdiskussion zur Oberbürgermeisterwahl in Ulm veranstaltete. Im Vorfeld waren die Bürger aufgerufen gewesen, über unsere Website Fragen an die Kandidaten zu stellen. 68 Beiträge, viele davon mit gleich mehreren Fragen, gingen ein und stellten die Moderatoren des Abends Christoph Botzenhart und Mathias Schöferle vor die Herausforderung, diese in den geplanten 90 Minuten abzuhandeln.

Nachdem sich die Kandidatin Lena Schwelling, sowie die Kandidaten Oberbürgermeister Gunter Czisch, Martin Ansbacher und Thomas Treutler in jeweils fünf Minuten in freier Rede gekonnt vorgestellt hatten, nahmen sie in wechselnder Reihenfolge zu Themenblöcken Stellung, die unser Team zuvor anhand der eingegangenen Fragen und ihrer Häufigkeit gebildet und gereiht wurden. Am stärksten brannte den Einsendern der Themenkomplex „Umwelt, Klima, Verkehr und Mobilität“ unter den Nägeln. Zum Schluss wurden noch vier Fragen aus dem Saal zugelassen. Zum Ausklang konnten die Besucher noch in der Cafébar des ROXY untereinander und mit den Kandidaten ins Gespräch kommen.

Der Radiosender Donau3FM hat in seinem Artikel einen vollständigen Audio-Mitschnitt des ROXY veröffentlicht. Weitere Berichte finden sich in der Südwest Presse und in der Neu-Ulmer Zeitung.

20.06.2023

Wasserstoff als Game Changer in der Energiewende

Dr. Reinhard Knüppel (links) mit Prof. Dr. Frithjof Staiß (rechts)

Am 20. Juni 2023 referierte Prof. Dr. Frithjof Staiß, geschäftsführender Vorstand des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW), bei Bürgerimpulse in der Sparkasse Neue Mitte über die Rolle des Wasserstoffs bei der Energiewende. Tropische Temperaturen, gefolgt von einem heftigen Sturm, boten ungewollt einen passenden Rahmen für den Abend, an dem es in Anwesenheit von etwa 120 Personen um die Frage ging, wie der Klimawandel mit Hilfe von Wasserstoff gebremst oder gestoppt werden kann.

Der Vorteil von Wasserstoff liegt darin, dass er beispielsweise mit Sonnen- oder Windenergie CO2-neutral erzeugt, aber auch wieder CO2-neutral verbrannt werden kann. Kritiker führen zwar zu Recht an, dass der Wirkungsgrad – also wie viel der eingesetzten Energie am Ende „am Rad ankommt“ – von Wasserstoff-Fahrzeugen mit Brennstoffzelle wesentlich geringer ist als bei Elektroautos mit Batterie, doch sind PKW nicht der wichtigste Einsatzbereich, bei dem Wasserstoff zum Klimaschutz beitragen kann. Seine Stärke könnte er in Industrien wie z.B. der Stahlerzeugung unter Beweis stellen, wo derzeit eine einzige Fabrik in Nordrhein-Westfalen 1,5 Mal so viel CO2 ausstößt wie das ganze Land Baden-Württemberg. Auch bei Flugzeugen oder LKW ist eine Nutzung von Elektroantrieben mit Batterie auf Langstrecken noch völlig unrealistisch. Unter dem Strich könnte Wasserstoff 20-25% des weltweiten Energiebedarfs decken.

Wasserstoff kann die erneuerbaren Energien unabhängiger vom Wetter machen. Sonne und Wind gibt es nicht immer gleich viel – auch das Wasseraufkommen in Flüssen unterliegt Schwankungen. An Tagen, an denen erneuerbare Energien im Überfluss produziert werden, könnten Lager mit Wasserstoff gefüllt werden für Tage, an denen zusätzliche Energie gebraucht wird. Dieses Prinzip wird beispielsweise in einem Pilotprojekt in Esslingen unter Beweis gestellt, wo ein Stadtviertel seine Energie durch das Zusammenspiel von Sonnenenergie und Wasserstoff bezieht und nebenbei auch noch die bei der Elektrolyse entstehende Wärme verwertet wird – somit kann der Wirkungsgrad gesteigert werden.

In der regen Diskussion mit dem Publikum zeigte sich auch dessen Sorge über die Auswirkungen des neuen Gebäude-Energiegesetzes der Bundesregierung vor Ort in Ulm. Professor Staiß zeigte auf, wie Wasserstoff zunächst als Beimischung zum Erdgas auch in Privathaushalten zum Einsatz kommen kann, allerdings wird es Probleme mit der rechtzeitigen flächendeckenden Versorgung geben. In Privathaushalten werden andere Technologien stark sein.

18.03.2023

Die Energiepreise werden hoch bleiben

Moritz Ignat (links) mit Mathias Schöferle (Mitte) und Prof. Franz Josef Radermacher (rechts)

Verbraucher und Unternehmen sehen sich seit der 2. Jahreshälfte 2022 mit stark steigenden Kosten für Strom, Gas und Öl konfrontiert. Preiserhöhungen von teilweise mehreren 100% gefährden die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und private Existenzen, denn nirgends sind die Veränderungen so massiv wie in Deutschland.

  • Wie konnte das passieren?
  • Handelt es sich nur um ein vorübergehendes Problem oder eine langfristige Herausforderung?
  • Welche Konsequenzen drohen?
  • Bieten die Veränderungen auch Chancen?
– eine Vielzahl brennender Fragen, zu denen bei einer Bürgerimpulse-Veranstaltung am 18.03.23 im Vortragssaal der Volksbank Ulm-Biberach kompetente Referenten Stellung nahmen.

Moritz Ignat, Energie-Trader aus London, legte anschaulich die Marktmechanismen dar, die zu den ungewöhnlichen Preisentwicklungen geführt haben. Obwohl die erneuerbaren Energien (Windkraft, Photovoltaik und Biomasse) mittlerweile mit Abstand den größten Anteil an der deutschen Energieproduktion haben, unterliegen sie aufgrund der Wetter- und Tageslichtabhängigkeit einer extremen Volatilität. Im schlechtesten Fall stehen nur 10 % der Kapazität zur Verfügung, so dass ohne die Option auf die schnelle Zuschaltung von Gas-, Braunkohle- und Kernkraftwerken die Energieversorgung nahezu täglich zusammenbrechen würde. Dies sorgt für eine nur eingeschränkt planbare und mit großen Unsicherheiten behaftete Bedarfssituation, die zwangsläufig hohe Preise zur Folge hat. Der kriegs- und sanktionsbedingte Wegfall der vormals sehr preisgünstigen Liefermengen aus Russland hat dieses Problem zusätzlich dramatisch verschärft.

Auch Prof. Dr. mult. Franz Josef Radermacher, einer der führenden Experten für Globalisierungsthemen, griff diese Themenkreise auf. Er verdeutlichte insbesondere, dass sich Strom aus erneuerbaren Quellen als Energieform von den fossilen Energieträgern maßgeblich darin unterscheidet, dass er in Europa nur mit extremem Aufwand und in kleinen Mengen gespeichert werden kann. Den insbesondere von der deutschen Politik favorisierten grünen Wasserstoff als „Königsweg“ aus diesem Dilemma sieht er insoweit sehr skeptisch, als zu dessen Herstellung u.a. das Dreifache der Energie nötig ist, die gespeichert werden soll. Er favorisiert vielmehr das bereits seit langem in den USA und Norwegen praktizierte Carbon Capture. Dieses Verfahren bedeutet, dass das bei der Verwendung der fossilen Energieträger entstehende CO2 abgefangen und bspw. in die ausgebeuteten Förderstätten zurückgepumpt wird. Er wies zudem darauf hin, dass die Energiethematik als ein globales Thema behandelt werden muss und insbesondere auch die Interessenlagen der Entwicklungsländer nicht unberücksichtigt bleiben dürfen.

Beide Referenten waren sich einig, dass die Energiepreise weltweit langfristig weiter ansteigen werden. Für Deutschland steht dabei insoweit viel auf dem Spiel, als die radikale Abkehr von der Atomkraft und der bereits terminierte sukzessive Kohle- und Gasausstieg in Verbindung mit der angestrebten Substitution durch grünen Wasserstoff einen sehr teuren Sonderweg darstellen, der die internationale Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig beeinträchtigen könnte.

13.07.2022

Krieg und Krisen, die Welt im Wandel

Wolfgang Bosbach (rechts) mit Ronja Kemmer MdB (Mitte) und Dr. Reinhard Knüppel (links)

Die Medien berichten über Krieg und Krisen in vielfältiger Form: den Ukraine-Krieg, die Corona-Pandemie, den Klimawandel, die Sicherung unserer Energieversorgung, die Störung der globalen Lieferketten und die sich auch aus diesen Faktoren ergebenden Börsenturbulenzen und Inflation. Der ehemalige Chefredakteur der Bild-Zeitung Julian Reichelt sieht Deutschland gar „vor dem Untergang“.

Das wichtigste Anliegen von Bürgerimpulse ist es, Situationen wie diese zu analysieren und seriös und verständlich darzustellen – ohne solchen dramatisierenden Populismus. Dafür konnten wir Wolfgang Bosbach gewinnen, der diese Aufgabe am 13.07.22 vor etwa 170 Zuhörern im Ulmer ROXY brillant und kurzweilig löste.

Tatsächlich befinden wir uns in vielen Bereichen in einem Umbruch. Krisen gab es in vergleichbarer Form bereits früher, wie z.B. die Ölpreiskrise in den 70ern und die damit einhergehende Diskussion über die Abhängigkeit der Energieversorgung von mitunter totalitären Staaten. Die Anzahl der Krisen und die Intensität des Wandels über einen so kurzen Zeitraum hinweg ist derzeit hingegen bemerkenswert. Indes gehen manche Herausforderungen in der öffentlichen Wahrnehmung eher unter: der demographische Wandel und die sich hieraus ergebenden Belastungen für die Rentenversicherung und die Pflege werden sich noch verstärken. Dabei ist diese Krise eigentlich durch eine Erfolgsgeschichte begründet, nämlich durch die rasant gestiegene Lebenserwartung.

Deutschland droht zudem, beim Wandel von der Industrie- in die digitale Wissensgesellschaft von der Weltspitze abgehängt zu werden. Während wir im industriellen Bereich, wie z.B. in der Automobilindustrie und im Maschinenbau, noch Weltmarktführer haben, stammen sämtliche „Billionen-Dollar-Unternehmen“ des digitalen Zeitalters aus dem Ausland, in der Regel aus den USA. Dabei kann Deutschland sein Wohlstandsniveau einschließlich seiner Sozialleistungen nur halten und ausbauen, wenn die Wirtschaft diesen Wohlstand auch weiterhin einbringt.

In einer Anspielung auf das Sondervermögen Bundeswehr empfahl ein Teilnehmer in der Diskussion einen vergleichbaren finanziellen Kraftakt durch ein „Sondervermögen Bildung“. Die Wichtigkeit von Bildung zur Sicherung unserer Konkurrenzfähigkeit und damit letztlich unseres Wohlstands und Sozialsystems ist unbestritten – die Umsetzung in unserem föderalen System dagegen, wie Herr Bosbach in seiner Antwort anschaulich darstellte, ein komplizierter Kraftakt – ein Kraftakt, der sich aus unserer Sicht allerdings lohnt.

02.06.2022

Die Ukraine an der Donau

Peter Langer spricht in der Sparkasse Ulm bei Bürgerimpulse

Nach der Annexion der Krim durch Russland in 2014 nicht völlig überraschend kam es im Frühjahr 2022 zu einem offenen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine – praktisch vor der Haustür der anderen Donauanrainerstaaten. Peter Langer, Gründer des Donaubüros, des Roxy und im Leitungsgremium der Europäischen Donauakademie, stellte am 2.6.22 bei Bürgerimpulse diese Krise in einen historischen Zusammenhang und schilderte im Anschluss den Umgang der osteuropäischen Donauanrainer mit dem Krieg und dessen Folgen.

Russland und die Ukraine haben eine lange gemeinsame Tradition, zurückgehend auf die Kiewer Rus, ein Reich des Mittelalters. Auch Beziehungen nach Westeuropa haben in der Ukraine Tradition – so spielten z.B. die Habsburger eine wichtige Rolle in der Geschichte des Landes. Wie eine Veranstaltungsteilnehmerin in der Diskussion anmerkte, verzichtete die Ukraine nach dem Zerfall der Sowjetunion 1994 im Gegenzug für Sicherheitsgarantien durch Russland, Großbritannien und die USA auf ihre Atomwaffen. Heute wird deutlich, dass dieser Vertrag – bis auf eine gewisse Unterstützung durch Großbritannien und die USA in der aktuellen Krise – nicht viel wert war. Europa, das sich bereits in einem dauerhaften Frieden wähnte, rüstet sich nun für den Fall einer Ausweitung des Konflikts. Dabei hat Russland im Donauraum nicht nur Gegner. Die Regierungen beispielsweise in Serbien oder Ungarn pflegten freundschaftliche Beziehungen nach Moskau, im Falle Serbiens allerdings gestört durch unglückliche Vergleiche Wladimir Putins der Situation in den Separatistengebieten in der Ukraine mit der damaligen Unabhängigkeitserklärung des Kosovo. Die EU und die NATO fanden durch den Konflikt zu gestärkter Einigkeit, allerdings getrübt durch pro-russische politische Interventionen Viktor Orbáns und Recep Tayyip Erdoğans Widerstand gegen eine NATO-Erweiterung auf Schweden und Finnland. Die Nervosität ist vielerorts groß – so fürchtet beispielsweise Moldawien, dessen abtrünnige Region Transnistrien bereits früher von Russland gestützt wurde, eine russische Intervention. Bei der Aufnahme von Flüchtlingen aus der Ukraine leisteten dagegen alle benachbarten Donauanrainer ihren Teil auf mitunter vorbildliche Weise.

Zu diesem etwa 45-minütigen Vortrag bieten wir einen Videomitschnitt an (Aufnahme und Schnitt: Protel Film und Medien).